Um 1910 waren in St. Egidien vier Strumpffabriken vorhanden. Die Größte von ihnen wurde 1875 von Ernst Hermann Wolf jr. gegründet. Rund 200 Arbeiterinnen und Arbeitern waren in der Strumpffabrik beschäftigt.
Anfänglich entstanden die Strümpfe durch Handarbeit auf einem hölzernen Gestell.
Als später größere, eiserne Wirkmaschinen mehr Kraft erforderten, wurde 1885 ein Dampfkessel mit Dampfmaschine aufgestellt.
1913 entstand ein Fabrikanbau mit kleinem Aussichtstürmchen. Darin befanden sich im Dachgeschoss ein Turnsaal und eine Bibliothek für die 200 Beschäftigten.
Im 1. Weltkrieg war wegen Personalmangels der Betrieb zeitweise stillgelegt. Einen Aufschwung erlebte die Strumpffabrik mit dem “Amerikageschäft”, als viele Waren wegen ihrer hervorragenden Qualität nach Übersee geliefert wurden. Mit den Waren wurden allerdings auch Technologien, Strumpfmaschinen und Strumpfwirker übergesetzt. In den USA konnten die Strümpfe dadurch kostengünstiger hergestellt werden und es fehlte an Absatz. Zudem setzte 1930 in Deutschland die große Rezession ein. So ging auch der Betrieb in den Jahren 1931/1932 pleite.
Geschichte der Strickwarenfabrik Albert Rabe
Im Jahr 1920 gründete Albert Rabe in seiner Wohnung ein Unternehmen für Strick- und Wirkwaren. Die Produktion begann mit zwei Handstrickmaschinen und einem Spulrad.
Bereits 1922 entstand neben dem Wohnhaus der erste Fabrikneubau in Form eines Flachbaus. Durch die Beschäftigung zahlreicher Heimarbeiter konnte die Produktion kontinuierlich ausgeweitet werden. Das Bestreben, möglichst viele Arbeitskräfte unter einem Dach zu vereinen, führte 1923 zur Aufstockung des Gebäudes sowie zur Errichtung eines Verbindungsganges zum Wohnhaus.
1929 folgte der dritte Bauabschnitt der Fabrikanlage. Hierzu wurde am hinteren Teil des Geländes ein weiterer Flachbau errichtet.
Zu dieser Zeit beschäftigte die Strickwarenfabrik bereits 173 Mitarbeiter. Albert Rabe galt als beliebter Unternehmer, der sich besonders für die ärmere Bevölkerung und ältere Menschen einsetzte.
1938 wurde der zweite Anbau aufgestockt. Dabei entstand ein großer und repräsentativer Speisesaal. Die Leitung der Werksküche übernahm die Unternehmergattin Liddy Rabe. Mitte des Jahres 1939 waren bereits 200 Beschäftigte in der Strickwarenfabrik tätig.
Im Juni 1950 verließen Albert Rabe und seine Frau Liddy die DDR. Zum 1. Januar 1953 wurde die Strickwarenfabrik Albert Rabe verstaatlicht und in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt. Unter der Bezeichnung VEB Strickwarenfabrik „Aktivist“, Werk 3 wurde die Produktion fortgeführt.
Nach der politischen Wende erhielt das Unternehmen 1989 den Namen „Mikado“ Strickwarenfabrik GmbH St.Egidien. Im Jahr 1990 erfolgte die Umfirmierung zur Textilmoden St.Egidien GmbH, St.Egidien, Am Berg 4.
Ab dem 14. August 1992 wurde das Unternehmen von einem neuen Geschäftsführer geleitet.
Die Verlagerung von Produktionsbereichen ins Ausland sowie die Schließung der Strickerei im Juli 1998 führten zu einem erheblichen Personalabbau. Danach waren nur noch 15 Mitarbeiter beschäftigt. Am 19. Februar 1999 wurde die Konfektion geschlossen; mit der Stilllegung des Unternehmens am 28. Februar 1999 endete die Geschichte der traditionsreichen Strickwarenfabrik.
Geschichte der Nickelhütte St.Egidien
Kaum ein anderes Unternehmen hat den Ort so nachhaltig geprägt wie die Nickelhütte St. Egidien. Das zuvor überwiegend landwirtschaftlich geprägte Dorf erlebte durch den Aufbau der Nickelindustrie einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Zahlreiche Menschen kamen auf der Suche nach Arbeit nach St.Egidien und ließen sich hier nieder. Für die Beschäftigten entstanden in den 1950er Jahren rund 400 Neubauwohnungen.
Die Grundlage für die Nickelerzeugung bildete die Entdeckung bedeutender Nickelerzvorkommen im Raum Callenberg Ende der 1940er Jahre. 1952 wurde nördlich des Bahnhofs die VEB Nickelhütte St.Egidien gegründet. Nach umfangreichen Vorarbeiten begann 1960 die industrielle Verarbeitung der in den Callenberger Tagebauen geförderten Erze. Der Transport erfolgte über eine eigens errichtete Werkbahn. Die Nickelhütte war zeitweise die einzige Produktionsstätte für Nickel in der DDR und ein wichtiger Arbeitgeber der Region.
Mit dem Rückgang der Erzvorräte und den wirtschaftlichen Veränderungen nach der deutschen Wiedervereinigung wurden Bergbau und Nickelproduktion 1990 eingestellt. Die Tagebaue wurden rekultiviert; auf dem Gelände des ehemaligen Tagebaus Callenberg Süd I entstand später das Naherholungsgebiet und der Stausee Oberwald.
Der industrielle Fortschritt hatte jedoch seinen Preis. Die bei den Verhüttungsprozessen entstandenen Rückstände wurden nach den damaligen Standards entsorgt. Deshalb lassen sich bei Bodenuntersuchungen in Teilen des Umfelds bis heute Rückstände aus der Nickelverarbeitung nachweisen.
Nach dem Ende der Nickelproduktion wurde der Standort auf die Herstellung von Dämmstoffen umgestellt. Aus der Nachnutzung entwickelte sich ein Werk der Heraklith GmbH, die Produkte für Wärme-, Schall- und Brandschutz herstellte. Seit der Übernahme von Heraklith durch Knauf Insulation GmbH im Jahr 2006 gehört der Standort zur Knauf-Gruppe und ist bis heute ein bedeutender Arbeitgeber in St.Egidien.