St.Egidien ist weit über die Region hinaus für seine bedeutende Achatfundstätte bekannt. Die faszinierenden Mineralien begeistern durch ihre einzigartige Schönheit und Vielfalt. Charakteristisch sind die konzentrischen Bänderungen, die in zahlreichen Farbnuancen auftreten und jedem Achat sein unverwechselbares Erscheinungsbild verleihen. Das Farbspektrum reicht von Rot und Rotbraun über Orange- und Brauntöne bis hin zu seltenen hellblauen Färbungen. Viele Achate besitzen zudem einen Kern aus kristallinem Quarz, der beim Aufschneiden eindrucksvoll sichtbar wird.
Entstehung von Achaten
Mineralogisch betrachtet ist der Achat eine gebänderte Varietät des Chalcedons und gehört zur Gruppe der Quarze. Entstanden sind die Achate vor Millionen von Jahren in Hohlräumen vulkanischer Gesteine. Kieselsäurehaltige Lösungen drangen in diese Hohlräume ein und lagerten dort Schicht für Schicht feine Quarzpartikel ab. Durch unterschiedliche chemische Zusammensetzungen und wechselnde Bildungsbedingungen entstanden die typischen Farb- und Bänderungsmuster. In vielen Fällen bildeten sich im Zentrum später Quarzkristalle, die den Achaten ihr charakteristisches Aussehen verleihen.
Achat aus St.Egidien mit blau-rötlicher Bänderung
kleine Achate aus St.Egidien mit rötlicher Bänderung
Entdeckung der Achate in St.Egidien
Die ersten Achate in St.Egidien wurden vermutlich bereits um das Jahr 1500 entdeckt. Einen frühen schriftlichen Nachweis liefert der Gelehrte Georgius Agricola, der das Vorkommen 1546 in seinem Werk De natura fossilium erwähnte. Die hier gefundenen Achate und Jaspise waren aufgrund ihrer Schönheit und Seltenheit sehr begehrt. So wurde St.Egidiener Jaspis unter anderem für die Umrahmung des Altarbildes der Stadtkirche Penig sowie für die Ausschmückung der Dresdner Sophienkirche verwendet.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts dienten die edlen Steine zudem zur Verzierung von Prunkstühlen für die sächsischen Kurfürsten August I. und Christian II. Während der Regierungszeit Augusts des Starken wurde eigens ein Steinbruch zur Gewinnung von Achaten angelegt. Nach dessen Stilllegung wurde er wieder verfüllt, und das Vorkommen geriet schließlich über viele Jahrzehnte in Vergessenheit.
Mit dem Bau der Erzbahntrasse zur Nickelgrube Obercallenberg im Jahr 1954 rückte das Achatvorkommen erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Aufschlüsse entlang der Bauarbeiten führten zu einem regelrechten „Achat-Tourismus“. Mineraliensammler aus Ost- und Westdeutschland pilgerten in das Fundgebiet, um mit etwas Glück eine der begehrten Achatkugeln zu entdecken.
Die intensive Suche hinterließ deutliche Spuren in der Landschaft. Zahlreiche, teilweise bis zu zwei Meter tiefe Gruben ließen das Gelände einem Schweizer Käse gleichen. Um eine weitere unkontrollierte Ausbeutung zu verhindern, griffen staatliche Stellen der DDR ein und organisierten die Gewinnung der seltenen Mineralien unter wissenschaftlicher Aufsicht. Größere Schürfkampagnen fanden in den Jahren 1978, 1980 und 1982 statt.
Achate kommen heute auf allen Kontinenten vor. Bedeutende Fundorte befinden sich unter anderem in Brasilien, Uruguay, Mexiko, den USA, Madagaskar, Australien und Indien. Die Achate von St.Egidien zählen jedoch aufgrund ihrer außergewöhnlichen Formen, ihrer vielfältigen Farbgebung und ihrer mineralogischen Besonderheiten zu den bemerkenswertesten Achatvorkommen Deutschlands.
Die Fundstellen
Seit der Entdeckung der Achate wurden in St.Egidien schätzungsweise mehr als 300 Tonnen Achat geborgen. Allerdings war nur ein Teil des Materials von ausreichender Qualität für die Weiterverarbeitung oder wissenschaftliche Sammlung.
Ob auf dem Gebiet noch Achatvorkommen existieren, lässt sich vermutlich nur durch den Einsatz moderner Erkundungstechnik und umfangreicher Untersuchungen feststellen.
Das Fundgebiet befindet sich heute in Privateigentum. Das Betreten des Geländes sowie das Sammeln von Mineralien sind nicht gestattet.